Ecuador

Ecuador

Sonntag, 11. Januar 2015

Piranhas angeln und Maden essen



meine Gruppe im Amazonas: Nathalie aus Deutschland, Mégane aus Belgien, Pia aus Deutschland, Fanny und Alexia aus Frankreich und ich und Lara aus Deutschland

 LAUTERBACH/AMAZONAS. WildlebendePapageien, Krokodile und kleine„Herr Nilsson Affen“sehen – das ist nicht im Zoo, sondern im Amazonas möglich.Im Dezember flog ich mit 30 anderen rotarischen Austauschschülern in den Amazonas, um dort dreieinhalb erlebnisreiche, wunderschöne, aber auch anstrengende Tage zu erleben.
Angefangen hat es um sechs Uhr morgens am Flughafen in Quito, dort trafen wir uns alle und nach einem ungefähr 30-minütigen Flug kamen wir in Coca an. Coca ist eine sehr kleine und arme Stadt, die im Amazonas liegt. Schon am Flughafen bemerkten wir, dass dort alles anders ist. Die feuchte Hitze, keine Fließbänder für die Koffer, sondern lediglich eine Kofferausgabe und ein Flughafen, der eher einem Bahnhof als einem Flughafen gleicht. Nachdem jeder seinen Koffer hatte, fuhr uns ein Bus näher zum Flussufer, von dort fuhren wir dann mit einem Motorboot zwei Stunden den Rio Napo hoch. Der Rio Napo ist ein sehr großer Fluss, der sich durch das ecuadorianische und peruanische Amazonasbecken zieht. Schon während der Fahrt bestaunten wir die sehr vielseitige Natur. Wo das Auge auch hinschaute, war alles einfach nur grün. Vereinzelt gab es an den Ufern kleine ärmere Siedlungen, aber nichts Großes. Nachdem wir dann ankamen, mussten wir ungefähr noch 30 Minuten zu Fuß laufen, bis wir dann noch mit Kanus über einen See zur Lodge gefahren wurden. Während wir liefen, sahen wir zum Beispiel große Ameisen, die riesige Straßen über unseren Weg bildeten. Auch Schmetterlinge in den verschiedensten Farben und Größen flogen uns über den Weg. Alleine schon die ganze Anreise war ein Erlebnis für sich. An der Loge angekommen, hieß es dann erst mal die Zimmer begutachten. Schnell wurde festgestellt, dass wir statt Fenstern nur Fliegengitter hatten, leider keine Klimaanlage, sondern nur einen Ventilator, und dass die Tür nicht perfekt schloss. Abgesehen davon war die Loge atemberaubend. Alles ist eine kleine Welt aus Stelzen und drum herum ist einfach nur Regenwald, keine Häuser, laute Autos oder kläffende Hunde – nur Stille.

Der Chef der „Sacha Lodge“ ist ein Deutscher, der sich mit dem Aufbau seinen Lebenstraum erfüllt hat. Später am Tag sollten wir uns für die kommenden Aktivitäten in kleinere Gruppen aus fünf bis sieben Austauschschülern zusammenschließen. Meine Gruppe bestand nur aus einer Belgierin, zwei Französinnen und vier Deutschen. Jeder Gruppe wurde ein „Native-Guide“ zugeteilt, der alle Aktivitäten mitmachen würde und uns auch überall hin paddeln würde. Nachdem Mittagessen hatten wir Freizeit, und die nutzten wir erst mal zum Baden im See, der zu der Lodge gehört. Das Baden war erlaubt, aber es musste jedem bewusst sein, dass in diesem See Krokodile und Piranhas leben und deswegen sollte niemand tagsüber zu nahe an die Ränder schwimmen, denn da halten sich meistens die Krokodile auf. Es ist dort auch verboten, nach halb fünf zu schwimmen, denn dann bekommen die Tiere Hunger. Natürlich ist keinem etwas passiert, aber trotzdem war es ein unheimliches Gefühl, vor allem, wenn du dann am nächsten Tag zur Schwimmzeit ein fast zwei Meter langes Krokodil mitten durch den See schwimmen siehst. Am Abend, als es schon dunkel war, fuhren wir mit dem Kanu auf den See raus, um hoffentlich Krokodile zu sehen. Jeder hatte eine Taschenlampe und uns wurde erklärt, dass wir mit ihr den See ableuchten sollten, und wenn der Lichtstrahl reflektieren sollte, dann sei es höchstwahrscheinlich ein Krokodil. Ziemlich lange sahen wir alle nichts, doch dann hat Benjamin – unser Guide – doch ein Krokodil gesehen. Mit unserem Kanu fuhren wir bis zwei Meter ran und bestaunten es aus nächster Nähe. Nach einer sehr kurzen Nacht wurden wir am nächsten Morgen um halb sechs geweckt. Wieder einmal ging es mit dem Kanu los, denn das ist das einzige Transportmittel. Wir fuhren den Fluss entlang, bis wir plötzlich anhielten, weil irgendetwas über uns in den Bäumen war. Es waren Affen, wie Herr Nilsson aus Pippi Langstrumpf, und einer hatte ein kleines Affenkind auf dem Rücken. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, dass ich niemals vergessen werde, als die freilebenden Affen über unseren Köpfen in den Bäumen rumsprangen, während wir unten im Kanu saßen. Auf unserer anschließenden Wanderung durch den Regenwald hielten wir zwischendurch immer an, damit uns Benjamin etwas erklären konnte. Zum Beispiel durften wir nicht einfach einen Baum anfassen, um uns festzuhalten, denn das kann gefährlich sein, weil da Ameisen dransitzen könnten, deren Biss so schmerzhaft sei, als ob man angeschossen werde. Dieser Schmerz würde 24 Stunden anhalten. Wir waren uns alle einig, dass wir so schnell nichts einfach so anfassen würden. Am Nachmittag fuhren wir dann zu einem ungefähr 40 Meter hohen Baum, um den ein Gerüst gebaut wurde, um hochsteigen zu können. Oben angekommen, bestaunten wir den Regenwald aus einer neuen Perspektive. Man konnte bis zum Horizont die Gipfel der Bäume sehen. Am nächsten Tag wurden wir wieder einmal früh geweckt, um in eine Gemeinschaft, die weiter im Amazonas lebt, zu fahren und dort ein bisschen mehr über das traditionelle Leben der Ureinwohner zu lernen. Generell wird alles, was sie verdienen und ernten auf alle Mitglieder gerecht aufgeteilt. Nachdem uns alles gezeigt wurde, gelangten wir völlig fertig wieder am Startpunkt an, denn es war sehr heiß an diesem Tag! Die Hitze im Regenwald ist, wie man schon vermutet, nicht trocken, sondern sehr feucht, sodass man an einem Tag mehrmals das TShirt wechseln muss und auch öfter duschen geht. Während wir alles besichtigt hatten, wurde uns von einigen Bewohnern ein traditionelles Essen zubereitet. Aber vorher konnten alle, die wollten, eine Made probieren. Mir wurde nur vom Zuschauen schon schlecht, aber viele haben es wirklich probiert. Diese Made lebte noch, und man musste da reinbeißen. Es gab nur eine Austauschschülerin, die sie ganz gegessen hatte und sie danach auch drin behielt. Eine andere Form, wie man diese Maden isst, ist am Spieß geröstet. So sollen sie aber lecker geschmeckt haben… Ich fragte eine Einheimische, ob sie die Maden wirklich regelmäßig essen oder ob das nur eine Sache für die Touristen ist. „Nein, wir essen die wirklich“, war ihre Antwort. Neben den gewöhnungsbedürftigen Maden gab es noch traditionell zubereiteten Fisch und salzige Kakaobohnen, beides war echt lecker, und zum Trinken gab es Tee und Saft aus der Yukkapflanze. Die Gemeinschaft war für mich wieder ein tolles Erlebnis – genauso wie die Hängebrücke, die wir am Nachmittag besuchten. Eine Brücke mitten im Amazonas, fast 50 Meter hoch und total wackelig. Während ich da oben langlief, hatte ich ehrlich gesagt schon ein bisschen Angst. Es war trotzdem total einmalig und unbeschreiblich. Nach dem Abendessen gingen wir dann Piranhas fischen. Da Benjamin der coolste aller Guides war, blieben wir nicht nur an der Loge zum Fischen, sondern fuhren raus auf den See. Aber leider fingen wir nur einen ganz kleinen, denn die Piranhas sind viel schneller als wir. Sie essen das Fleisch vom Haken, aber sind schnell genug, um danach davonzukommen ohne geangelt zu werden. Danach machten wir noch eine Nachtwanderung, wobei wir Spinnen, Frösche und Ameisen sahen. Es ist ein großer Unterschied, ob du im Regenwald am Tag oder in der Nacht bist, denn in der Nacht hörst du noch viel mehr Geräusche als am Tag. Diese dreieinhalb Tage im Amazonas waren unbeschreiblich schön, unvergesslich, aber auch anstrengend wegen der Hitze, den kurzen Nächten und den Wanderungen durch den Amazonas. Aber ich werde diese Reise nie in meinem Leben vergessen, denn die Natur und die Tiere waren einfach unbeschreiblich. Wenn ich jetzt im Nachhinein auf die viel zu wenigen Tage zurückblicke, kommt es mir nur wie ein Traum vor, so atemberaubend war es.